« früherer Eintrag nächster Eintrag »

Feuchtfröhliche Lahnparty

Datum 12 Jahre, 3 Monate alt   Autor Pressesprecher  

Das Tourismusbüro von Schwarzrettich-Reisen hat unserer hessischen Extremsportgruppe einen grandiosen Erlebnispauschalurlaub ermöglicht. Mitten in der Nacht klingelten in den verschiedenen Schlafgemächern die Wecker. Doch umdrehen war verboten, schließlich würde der Zug nicht auf uns warten.

Pünktlich zum Sonnenaufgang setzte sich die Regionalbahn Richtung Wetzlar in Bewegung. Nach einer Weile schloss sich dann jemand überraschend unserer Gruppe an. Es war der Herr Absinth in seinem giftgrünen Kostüm, den Dennis als blinden Passagier mitgeschleift hatte. Mit Ekel und echter Zuneigung konnten die Reaktionen auf den neuen Freund kaum unterschiedlicher sein.

In Wetzlar angekommen kam es zum ersten Zwischenfall mit 400 radikalen Fahrradterroristen, die uns den Weg an die Front verbauen wollten. Doch Kevin hob seine Arme und schon verschwanden die Radler wie von Zauberachsel in umliegende Schutzgebiete. Ziemlich lässig schwangen sich alle auf ihre Boote und starteten gemütlich den Paddelausflug.

Alle Boote? Nein ein unbeugsames Kanu widerstand den Gesetzen der Wasserschutzpolizei und entpuppte sich als Amokboot. Das A(mok)-Team bestand aus Hannibal Bosche, Faceman Gottschalk-Kuntz und am Steuer: Murdoch Absinth-Schmid. Sie rammten erstmal munter kreuz und quer drauflos und zerstörten angrenzendes Waldgebiet. Wie sich später herausstellen sollte, waren diese Aktionen keinesfalls mit böser Absicht, das Problem war einfach, dass die drei überhaupt nicht lenken konnten.

Die verschiedenen Kanus: das italienische DDR-High-Society Schiffchen, das piepsende Hack-Betriebsboot, der blonde Zweier mit faulem Steuermann und die „Aida-schon-ziemlich-blue“ meisterten alles in allem ziemlich souverän die vielen Kilometer bis zur Anlegestelle. Nur in den Schleusen gab es kleinere Zwischenfälle: in der ersten klemmten die Zulaufventile, doch Gott sei Dank musste der Reiseleiter wieder einmal äußerst dringend ein kleines Geschäft erledigen und der Wasserspiegel stieg so quasi von selbst. An der zweiten fing sich Kevin ein rot-blaues Auge ein, als sich seine Trillerpfeife selbständig machte. Und an der dritten schaffte es ein Boot sich hinter der Tür einzukeilen.

Das Amok-Boot war zu dieser Zeit nur noch mit einem Paddel unterwegs, mit dem Murdoch tapfer Kurs hielt. Der Versuch sich am italienischen DDR-High-Society-Schiffchen zu rächen endete dagegen wieder einmal im Gestrüpp. Unser Ziel sollte dann am fahrerisch wohl anspruchvollsten Streckenteil liegen. Die reißende Strömung riss ihr Maul auf und zog uns in ihren Schlund, nur mit viel Glück und Geschick konnten wir uns an rettende Ufer befördern.

Das Grillen am Wegesrand zog sich dann ein wenig in die Länge, da die sich eigentlich selbst anzündende Kohle nicht richtig heiß werden wollte. Doch Jürgen-der-mit-dem-Wolf-tanzt und unser präsidialer Grillmeister schafften es letztendlich die Dinger zum Glühen zu bewegen. Die Speisen und Getränke mundeten vorzüglich, bis ein Blick auf die Uhr die Hälfte der Gruppe aufschrecken lies. Die Wahl zwischen Beeilung und zwei Stunden abhängen wurde schnell entschieden und so brachen wir auf. Ein Boot nach dem anderen legte für den letzten Wasserkilometer ab. Bis die „Aida-schon-ziemlich-blue“ an der Reihe war. Titanic, Estonia, Kursk und jetzt das Schiff um Lara, Rebsi und Knil – alle einen das gleiche Schicksal. Doch der Reiseleiter wäre nicht der Reiseleiter, wenn er nicht einen schwimmenden Weg durch die Fluten gefunden hätte und in einer dramatischen Aktion die kleine Aida wieder geborgen und fahrtüchtig gemacht hätte.

Voller Freude über ihr gerettetes Leben ließen die drei den Rest der Gruppe an ihrer durchnässten Kleidung und ihrer feuchten Aussprache mit innigen Umarmungen teilhaben. Kurz darauf trudelte auch schon der Zug ein und es ging wieder Richtung Heimat. Auf dem letzten Bahnkilometer packte der gelernte Verteidiger Dennis die Grätsche aus und provozierte so eine Schlägerei mit der Großmutter von Regina Hallmich. So endete für den Großteil der Gruppe ein gelungener Sonntags-Ausflug an Gleis 6, doch wie es in der Dampflok für den ein oder anderen noch weiter ging - ja, das wissen nur die ganz Harten.

http://www.youtube.com/watch?v=OxdATkmP9qI

http://picasaweb.google.com/sirknil/LahnPaddelSonntag

 
Bild von Jürgen Grabowski